... des Motorveteranen Club Süd-Ost Graz
Nicht alle lassen sich von den Gedanken unserer Wegwerfgesellschaft
beherrschen. So wie Großmutters Kaffeehäferl wieder zu Ehren gekommen
ist, wurden von wirklichen Enthusiasten schon lange in einer Scheune
oder unter einem Sandhaufen „abgestellte“ ehemalige Gebrauchsfahrzeuge
ausfindig gemacht, hervorgeholt und zu neuem Leben erweckt. Da aber
der Einzelne wenig, die Gemeinschaft viel zustande bringt, haben sich
auch bei uns im Jahr 1970 einige entschlossen, der „wilden Schrauberei“
einen gemeinsamen Sinn zu geben.
Der Motor-Veteranen-Club Süd-Ost wurde gegründet, der es sich zur
Aufgabe gemacht hat Liebhabern alter Fahrzeuge mit Rat und Tat an die
Hand zu gehen, Geselligkeit zu pflegen und dadurch die Freizeit
nutzvoll zu verbringen.
1970
1970 also schwappte die Nostalgiewelle in puncto Auto auch auf Graz
über. Damals dachte noch niemand, daß diese „Spinnerei“, wie man
dieses Hobby vielfach auch heute noch nennt, weltweite Ausmaße
annehmen wird. Der internationalen Dachorganisation der
Motorveteranenclubs gehören Vereinigungen auch in Australien, Nord-
und Südamerika an.
Nach der Gründung des MVC Süd-Ost im Frühjahr des Jahres hatten die
wenigen Mitglieder, die sich damals zusammenfanden sofort eine kleine
Veteranenrallye veranstaltet, die in der Öffentlichkeit große
Aufmerksamkeit erregte. Diese „Panther Rallye“, das war der Name,
wurde zu einer ständigen Einrichtung und hatte europaweit einen sehr
guten Namen, wie auch der gesamte Club bis heute in der Szene kein
Schattendasein führt. Diese Panther Rallye, um weiter in der
Vergangenheit zu kramen, setzte Marksteine bei den auch damals schon
üblichen Veteranenveranstaltungen. Nicht üblich waren damals zum
Beispiel Motorräder bei Rallyes, sie fristeten ein kümmerliches Dasein
nur in privater Sphäre. Bei der Panther Rallye gab es von Anfang an,
trotz internationaler Einwände, eine eigene Klasse für Motorräder.
1972
Im Jahr 1972, also nur 2 Jahre nach Gründung, bekamen wir als damals
jüngster Club in Österreich, die Durchführung einer
gesamt-österreichischen Veteranenrallye. Wir waren so vermessen, diese
über 2 Tage zu führen und das sogar ins Ausland nach Marburg, Dinge
die damals nicht so selbstverständlich waren, wie sie es heute
erscheinen. Der Erfolg gab uns Recht.
Noch Ende 1972 trat der Rolls-Royce Club England an Österreich heran,
mit eigener Hilfe eine Gedächtnisfahrt für Rolls-Royce zu
veranstalten. Der Grund war der grandiose Sieg (Platz 1 - 4) der Marke
bei der österreichischen Alpenfahrt 1913, nachdem sie 1912
„fürchterlich abgestürzt“ waren. Ziel war, daß Rolls-Autos aus der
ganzen Welt daran teilnehmen sollten. Österreich sagte zu und der MVC
übernahm die Organisation für Steiermark und Kärnten, den beiden
Bundesländern, in denen der Hauptteil der Veranstaltung durchgeführt
wurde. Neben gesellschaftlichen Höhepunkten wurde fahrerisch alles
abverlangt, was von den Fahrzeugen ab Baujahr 1912 nur abverlangt
werden konnte. Turracher Höhe, Gaberl, Rennen am Österreichring, das
waren Schwierigkeiten die grandios bewältigt wurden.
1978
1978 wurde die 1. Uhrturm Rallye vom damaligen Sportreferenten Werner
Königshofer ins Leben gerufen, die dann zehnmal stattfand.
Auch hier bewährte sich die Organisation des MVC Süd-Ost. Seit jenem
Zeitpunkt träumte der damalige Vizepräsident und spätere Präsident des
Clubs davon, die Europa-FIVA Rallye nach Graz zu bringen. Das war und
ist auch heute noch die begehrteste Veranstaltung auf dem
Veteranensektor, da sich das Teilnehmerfeld wirklich sehen lassen
kann.
1980
Im Jahr 1980 war es dann so weit. Graz hatte seine Europa Rallye. Das
war das erste Mal in Österreich, das erste Mal über eine ganze Woche.
Der gute Ruf des Clubs auf internationaler Ebene und der persönliche
Einsatz des Präsidenten hatten es möglich gemacht.
1985
5 Jahre später, 1985 veranstalteten wir dann noch einmal die World
Rallye, wie die oben erwähnte Rallye seit 1982 hieß. Wir mußten für
Frankreich einspringen, das nicht im Stande war, die Rallye
durchzuführen. Der kleine MVC war der einzige Club in Europa der
innerhalb von nur 3 Monaten diese Rallye auf die Beine stellen konnte.
Doch die Aufgaben und Zeiten haben sich geändert. Man ist
umweltbewusster geworden, was aber nicht heißen soll, unsere Fahrzeuge
sind „Dreckschleudern“. Den Gegenbeweis können wir jederzeit antreten,
denn durch sorgfältige Wartung dieser Fahrzeuge ist der
Schadstoffausstoß sehr gering.
Das Problem liegt an der Vielzahl der heute existierenden Clubs, die
sich naturgemäß irgendwie profilieren müssen. Das geht natürlich am
leichtesten durch Veranstaltungen, die mit mehr oder weniger Gewalt
durchgeführt werden müssen. Auch ist der „Oldtimer-Boom“, der heutigen
Zeit entsprechend, ins Gigantische angewachsen und Fahrzeuge, die
eigentlich auf den Schrottplatz gehören oder still gesammelt und
versteckt werden sollten, machen die Straßen unsicher.
Vorreiterrolle
Auch haben wir eine Vorreiterrolle übernommen und haben schon vor
einigen Jahren die Veranstaltungsflut im eigenen Club stark reduziert.
Rallyes bzw. Fahrten, das Wort Rallye hat in der Zwischenzeit einen
schlechten Beigeschmack bekommen, werden nicht mehr regelmäßig
veranstaltet, sondern nur mehr praktisch auf Wunsch.
Der MVC SO veranstaltet seit 1989 die Stainzer Wertungsfahrt für
Motorräder.
Der Initiator dafür war unser damaliger Vizepräsident Wolfgang Fetter
Ilwof.
Auch nach seinem Tod wurde diese Veranstaltung weitergeführt.
Als Gründungsmitglied des österreichischen Dachverbandes der
Veteranenclubs (seit 1972) arbeiten wir auch daran, daß es in Zukunft
dem Einzelnen möglich sein wird, mit seinem „Liebling“ in der
Öffentlichkeit zu fahren und nicht nur mit Bildern zu dokumentieren:
Das habe ich auch einmal besessen. Die Aufgabenstellung hat sich im
Laufe der Zeit nicht geändert, aber die Methoden, sie zu
verwirklichen.
Zum Schluß sei noch festgehalten, daß der MVC SO jährliche Frühjahrs-
Sommer- und Herbstausfahrten und eine Reihe von Motorradausfahrten
veranstaltet.
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